Dr. med. Stephan Potzler

DR. MED. STEPHAN POTZLER

PROKTOLOGISCHE PRIVATPRAXIS FREIBURG

Wenn der Juckreiz quält!

Jucken am After

Eines der häufigsten Krankheitsbilder in der proktologischen Praxis ist der Juckreiz am After.

Wenn der anale Juckreiz quält, ist das nicht nur für das körperliche Wohlbefinden störend, sondern kann mit der Zeit auch stark unsere Psyche beeinträchtigen.

Im Folgenden zeichnen wir verschiedene Ursachen für den Juckreiz auf:

1. Analekzem

Das Analekzem ist meist die Folge einer Entzündung der Afterhaut. Juckreiz, Brennen, Nässen und Hautrötung sind die hauptsächlichen Symptome. Je nachdem, wie stark das Ekzem ausgeprägt ist, hat man unterschiedliche Beschwerden. Dabei kann es auch bei starkem Kratzen in Folge von Juckreiz zu Blutspuren auf dem Toilettenpapier kommen.

Die Symptome sind meist das Resultat einer anderen Erkrankung wie zum Beispiel vergrößerter Hämorrhoiden.

2. Nahrungsmittel

Sicherlich kommt gelegentlicher Juckreiz auch durch die Ernährung vor. Wir wissen z.B., dass wir auf scharfes Essen mit Brennen und Juckreiz reagieren können, doch geben wir uns gelegentlich gerne den scharfen Gaumenfreuden hin. Mit den rezeptfreien Salben aus der Apotheke lässt sich der unangenehme Nebeneffekt schnell vergessen.

Sollte der Juckreiz trotz Verzichts bestimmter Speisen nicht nachlassen, ist auch hier die Abklärung durch den Spezialisten sinnvoll. Hierbei könnte es sich um eine sog. Nahrungsmittelunverträglichkeit oder sogar eine Lebensmittelallergie handeln.

3. Hämorrhoiden

Vergrößerte Hämorrhoiden sind Gefäßgeflechte oberhalb des Afterkanals, welche für die Feinkontinenz am After sorgen. Durch die übermäßige Vergrößerung kann es zur Undichtigkeit kommen; Feuchtigkeit und Stuhlpartikel können aus dem After austreten und damit den Juckreiz verursachen.

4. Kontaktallergie

Eine mögliche allergische Reaktion der Afterhaut kann verursacht werden durch Waschpulver, Intimsprays, Seifen, sog. Feuchttücher, Toilettenpapier und Textilien. Selbst bei längerer Benutzung diese Produkte besteht die Möglichkeit, plötzlich allergisch auf deren Inhaltstoffe (Haltbarkeitszusätze, Duftstoffe, Kräuterextrakte etc.) zu reagieren. Bei Textilien können zumeist Mischgewebe und Kunstfasern die Ursache sein (z.B. durch vermehrtes Schwitzen). Der natürliche Hautschutz der Afterhaut ist gestört und lässt uns wiederum „kratzen“.

5. Pilzbefall

Oftmals ist Candia albicans (ein natürlich vorkommender Hefepilz) die Ursache für Juckreiz am After. Der Pilz ist beim Menschen im Mund- und Rachenraum, Verdauungstrakt und Genitalbereich anzufinden. Normalerweise ist die Anzahl sehr gering, doch gerade nach Einnahme von Antibiotika wird ein Großteil der zur regelrechten Verdauung notwendigen Darmbakterien zerstört. Das ausgewogene Verhältnis der Darmflora geht verloren. Damit ist eine entsprechende Beeinträchtigung unseres Immunsystems möglich.

Auch der Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel (z.B. Gebäck, Nudelspeisen, Süßspeisen, Limonaden) kann das übermäßige Wachstum von Candida albicans fördern.

6. Feigwarzen (Kondylome, Genitalwarzen, Condylomata acuminata)

Ursache einer Infektion mit humanen Papillomaviren ist in den meisten Fällen die Übertragung durch Geschlechtsverkehr. Die Feigwarzen bilden sich hauptsächlich im Genitalbereich, können jedoch auch im After oder um den After herum auftreten. Es bilden sich kleine, meist hautfarbene bis weiß-grau Knötchen, die Juckreiz und Brennen auslösen können. und in kurzer Zeit rasch an Größe zunehmen. Die Feigwarzen können vereinzelt oder in Beeten auftreten, nehmen rasch an Größe zu.

In seltenen Fällen entwickeln sich übergroße blumenkohlartige Hauttumore, sog. Buschke-Löwenstein-Tumor (Condylomata acuminata gigantea), die unter bestimmten Umständen entarten können.

Die Behandlung orientiert sich an Schweregrad und Ausmaß der Erkrankung (Salbenbehandlung, Operation).

7. Übertriebene Analhygiene

Durch äußere Einflüsse kann die Haut am After stark reagieren. Viele von uns haben das Gefühl, sich nach dem Toilettengang „richtig“ säubern zu müssen. Zu langes und zu heftiges Abwischen mit Toilettenpapier erzeugt Reizungen an der sehr empfindlichen Afterhaut, was wiederum den Schutzmantel der Haut in Mitleidenschaft zieht. Seifen, Waschlotionen, Feuchttücher und Intimsprays werden zu oft und intensiv angewandt.

Viele Menschen haben sog. Marisken (Hautlappen) am After, die keinen krankhaften Befund darstellen, jedoch die tägliche Analhygiene erschweren können und als sehr störend empfunden werden. Diese Marisken können je nach Größe und persönlicher Beeinträchtigung auf Wunsch des Patienten entfernt werden.

Empfehlenswert ist die Reingiung mit Wasser und der maßvolle Umgang mit Reinigungszusätzen.

8. Madenwürmer (Oxyuren)

Meist äußert sich ein Befall mit Madenwürmern durch starken Juckreiz in den frühen Morgenstunden. Es können in seltenen Fällen aber auch Bauchschmerzen, Übelkeit oder die Symptome einer Blinddarmreizung auftreten.

Die befruchteten Weibchen legen ihre Eier am Afterrand ab und befestigen diese mit einer stark haftenden Substanz, die diesen Juckreiz auslöst. Nur in wenigen Fällen sieht man die Madenwürmer auf dem Stuhl, am After oder während einer Untersuchung beim Arzt (Enddarmspiegelung, Mastdarmspiegelung).

Am besten lässt sich der Befall durch Wurmeier mit dem sog. Klebestreifentest nachweisen. Eine Stuhlprobe bringt nicht immer einen Befall mit Madenwürmern an den Tag.

Die Therapie besteht in der Einnahme eines entsprechenden Medikaments unter Mitbehandlung aller im gemeinsamen Lebensraum befindlichen Personen.

Die voll ausgereiften Eier selbst können auch noch außerhalb des Körpers wochenlang überleben und unter günstigen Umständen erneut zu einer Infektion führen. Deshalb ist eine strenge Hygiene über eine Zeit von acht Tagen aller Beteiligten unerlässlich.

  • Separate Verwendung von Handtüchern für den Analbereich
  • Tägliches Wechseln der Bettwäsche, Handtücher, Waschlappen und Unterwäsche
  • Waschen bei 60°-95°C
  • Regelmäßiges Händewaschen

9. Internistische Erkrankungen

Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen und Lebererkrankungen können zu außerordentlich störendem Juckreiz führen.

Daher sollten Sie bei ungewöhnlichem Juckreiz, der länger als einige Tage anhält, einen Arzt aufsuchen.

Er wird dabei einige Fragen stellen:

  • „Seit wann, wie lange und intensiv ist der Juckreiz?“
  • „Zu welcher Tages- oder Nachtzeit besteht er?“
  • „Unter welchen Umständen ist der Juckreiz am stärksten?“

Nach der Befragung und der körperlichen Untersuchung wird der Arzt gegebenenfalls durch eine Stuhlprobe oder andere Maßnahmen zu einer Diagnose kommen und kann sie richtig behandeln.

Sie sollten es daher nicht zu lange mit einer Eigenbehandlung versuchen und sich rechtzeitig an Ihren Hausarzt oder an den Spezialisten wenden.