Obstipation-Ein hartes Geschäft

Obstipation (Verstopfung)

Viele unserer Patienten klagen über Obstipation (im Volksmund Verstopfung).

Aus medizinischer Sicht spricht man von Obstipation, wenn die Stuhlentleerung weniger als ein- bis zweimal pro Woche mit geringen Mengen von Stuhl (Stuhlvolumen) entleert wird.

Jedoch empfindet jeder Patient seine eigene persönliche unzufriedene Entleerung auf verschiedene Weise.

Die häufigsten Symptome

  • Eine unregelmäßige Stuhlentleerung,
  • Harter Stuhl, der nur unter Pressen zu entleeren ist
  • Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung
  • Zu kleine Portionen, kleine harte Kotballen (Skyballa)
  • Geblähter Bauch
  • Starkes Druckgefühl
  • Schmerzhafte Stuhlentleerung

Häufig werden dann Laxantien (Abführmittel) angewandt, um dem Problem Herr zu werden.

Die Obstipation kann verschiedene Ursachen haben, hierzu nur einige Beispiele

Die primäre Obstipation (ohne organische Ursache)

  • Bewegungsmangel
  • Flüssigkeitsmangel
  • Unterdrücken der Stuhlentleerung bei Dranggefühl (Toilettengang außerhalb des eigenen Zuhauses wird vermieden)
  • Zu einseitige Ernährung
  • Psychische Anspannung durch private oder berufliche Anspannung

Eine ausgewogene faser- und ballaststoffreiche Ernährung sowie eine ausreichende und zeitgemäße Flüssigkeitszufuhr (vor allem stilles Wasser) können ein erster Schritt zu einer leichteren Stuhlentleerung sein.

Ballaststoffe sind unverdauliche Nahrungsbestandteile. Sie saugen im Dickdarm Wasser auf und quellen, wodurch sich das Volumen des Speisebreis vergrößert und ein Reiz auf die Darmwände ausgeübt wird. Die damit folgende Fortbewegung der Darmmuskulatur (Peristaltik) schiebt den Speisebrei weiter nach vorne.

  • Jede Form von Bewegung regt die Darmtätigkeit an. Ob Sie Sport treiben oder spazieren gehen.
  • Lassen Sie sich Zeit zum Essen, den die Verdauung beginnt bereits im Mund „gut gekaut ist halb verdaut“.
  • Ein Glas Wasser direkt nach dem Aufstehen regt bereits die Darmtätigkeit an.
  • Unterdrücken Sie die Stuhlentleerung nicht.

 Sekundäre Obstipation (organisch bedingt)

  • Tumore (Polypen, Krebs)
  • Fissuren (Afterrisse)
  • Divertikel (Darmausstülpungen)
  • Neurologische Störungen (Systemerkrankungen mit Beeinträchtigung der Nerven)
  • Stoffwechselstörungen (Zuckerkrankheit, Schilddrüsenunterfunktion etc.)

Durch eine schmerzhafte Stuhlentleerung wie z.B. bei Fissuren (schmerzhafter Einriss des Afterschließmuskels) kann bei vielen Patienten ein Spasmus (Krampf) des Schließmuskels auftreten. Dadurch können oft nur noch bleistiftstarke Stuhlstränge entleert werden. Eine vollständige Entleerung des Darmes ist fast nicht möglich.

Obstipation durch Medikamente

  • Diuretika (Wassertabletten)
  • Parkinsonmedikamente
  • Eisenpräparate
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel
  • Laxantien (Abführmittel), bei langem und übermäßiger Anwendung
  • Blutdrucksenker

Viele Medikamente helfen uns bei den verschiedensten Erkrankungen und bringen uns Linderung. Doch sind sie auch teilweise an den Folgen wie der Obstipation beteiligt.

Zu den altbewährten Mitteln gehört sicherlich ein Einlauf mit Hilfe eines Wasserklistiers.

Sie erhalten die sog. Klistierspritze in ihrer Apotheke. Meist bestehen sie aus einem zusammendrückbaren Gummiballon, den Sie mit Wasser fühlen und mit Hilfe einer kleinen an der Spitze angebrachten Kanüle in den After einführen. Sobald der Ballon zusammengedrückt wird, entleert sich das Wasser in den Enddarm. Die darauf folgende Darmbewegung führt zu einer meist vollständigen Darmentleerung.

Die sanfte Darmreinigung (Darmspülung) mit Wasser geht höher als der Einlauf mit dem Klistier. Vorsichtig wird nach und nach Wasser unter kontrolliertem Druck mit Hilfe eines dünnen flexiblen Schlauches und einer speziellen Pumpe in den Darm eingebracht. Eine entsprechende Massage der Bauchdecke hilft, die Darmbewegung zu fördern. Es ist nicht notwendig, viel Wasser einzubringen, oft reichen kleinere Mengen von bis zu 500ml bereits aus. Dies erfolgt unter ärztlicher Aufsicht.

Auch andere Arten dieser Zuführung an Wasser sind möglich. Bei der sog. Irrigation wird in ähnlicher Weise teilweise viel größere Wassermengen durch den Patienten selbst in den Darm eingebracht. Dies ist oft in Fällen einer gewollten Darmentleerung unter bestimmten Erkrankungen oder bei veränderter Anatomie des Darmes erforderlich, um eine regelmäßige Entleerung zu gewährleisten.

Eine andere Möglichkeit ist die Einnahme von Flohsamenschalen, die Ballaststoffe und Schleimmengen enthalten. Bei ausreichender Flüssigkeitsaufnahme quillt der Flohsamen auf und fördert die Darmtätigkeit. Weiterhin gibt es noch eine Vielzahl von verschiedenen Abführmitteln, die auf unterschiedliche Weise ihre Wirkung entfalten.

Bei einer schon lang bestehenden Obstipation sind aufwendigere Verfahren notwendig, um die Darmtätigkeit zu mobilisieren. Leider werden Laxantien immer noch zu unbedacht eingenommen (zu lange, zu häufig).

Eine mögliche Operation ist nur in bestimmten Fällen notwendig.

Fazit

Etwa 15 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Obstipation, betroffen sind Menschen jeder Altersgruppe.

Die sogenannte Reiseobstipation durch den gerade verbrachten Urlaub und das ungewohnte Essen, den möglichen Bewegungsmangel und eine etwaige Zeitumstellung reguliert sich meist von alleine.

Eine unbehandelte Obstipation kann verschiedene gesundheitliche Folgen haben, die sich auf den gesamten Organismus und seine Stoffwechselmechanismen auswirken kann.

Aufgrund der vielfältigen Ursachen einer Obstipation, haben wir hier nur einige Beispiele angesprochen. Eine gründliche Anamnese sowie die Untersuchung des einzelnen Patienten ist daher unerlässlich.

Bei länger anhaltenden Stuhlunregelmäßigkeiten, Pressen beim Stuhlgang oder dem Gefühl der unvollständigen Entleerung sollten Sie sich vertrauensvoll an uns wenden.

Ihr

Dr. Stephan Potzler

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